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Segelsetzen mit einer Gaffel

Nicht alle sind schon einmal unter einer Gaffel gesegelt. Wie setzt man ein Gaffelsegel? Wir erklären es Schritt für Schritt an Bord der Polyflyer vom PSC.

Dieser Leitfaden ist keine Vorschrift oder Besserwisserei. Nach unseren Erfahrungen beschreibt er aber einen Weg, zu zweit die Segel der Elb-H-Jolle leicht und gut und ohne Schäden am Rumpf oder an Deck zu setzen. Geübte schaffen das dann auch alleine.

Setzen des Großsegels

Das Setzen des Großsegels gelingt leichter, wenn zwei Segler gut zusammenarbeiten. Im Folgenden werden daher die Arbeiten von Segler 1 (S1) und Segler 2 (S2) beschrieben.

  1. Der Baumniederholer ist gelöst. Der Baum wird am Mast in der oberen Position arretiert, damit das Vorliek des Großsegels später durch Niederdrücken des Baums durchgesetzt werden kann.

  2. Der Unterliekstrecker wird je nach Windstärke dichter (strammer) gesetzt. Das geht jetzt noch leicht. Ist erst das Großsegel gesetzt, muss mit dem Unterliekstrecker auch noch das Achterliek durchgesetzt werden.

  3. S1 löst die Gummistropps der Spinne, die die Gaffel halten. Achtung! Der achterlichste Gummistropp bleibt zunächst belegt, damit die Gaffel nicht auf das Achterdeck fallen kann. S2 löst den Schäkel des Piekfalls vom Mastbeschlag, führt ihn nach achtern und schäkelt beide Stahlseile der Gaffel ein. Bitte auf ein Vertörnen von Piekfall und Klaufall achten!

  4. Wenn S2 die Gaffel klar zum Setzen hat, löst S1 den achterlichen Gummistropp und hält die Gaffel mit der Hand fest.

  5. Zum Setzen der Gaffel holt jetzt S2 vorsichtig mit einer Hand das Piekfall dicht und verhindert mit der anderen Hand das Steigen der Klaue am Mast. S1 hebt unterstützend die Gaffel achtern leicht an. Bereits ein Gaffel-Anstellwinkel von etwa 15–20 Grad verhindert ein Hochschnellen der Klaue am Mast.

  6. S2 setzt nun das Piekfall beidhändig weiter dicht bis zwischen der Umlenkrolle des Piekfalls an der Mastspitze und dem Schäkel an der Gaffel noch etwa 1 Meter Platz ist. Das Piekfall wird zunächst auf einer Bb-Klampe belegt. Wird das Piekfall zu dicht gesetzt, ist später das Belegen der Großschot wegen des geringen Platzes zwischen Gaffel und Mast schwierig. Wird das Piekfall nicht dicht genug gesetzt, kann der Baum noch auf dem Achterdeck schleifen, wenn die Klau später bis zum mittleren Mastbeschlag dicht gesetzt worden ist.

  7. Nun das Klaufall von der Bb-Klampe lösen und etwas dichtsetzen bis die Klaue in Höhe des mittleren Mastbeschlags hängt. Auch das Klaufall zunächst wieder belegen. Jetzt ist die Gaffel für das Setzen des Großsegels vorbereitet.

  8. S1 löst die verbliebenen Gummistropps der Spinne, die das Großsegel auf dem Baum halten, und nimmt auch die Spinne weg. Außerdem wird die Großschot gelöst und viel Lose in die Schot gegeben, damit beim Segelsetzen das Kentern durch festgesetzte Großschot vermieden wird!

  9. Zum Setzen des Großsegels nehmen die Segler jetzt folgende Positionen ein: S1 bleibt achtern, entfernt die Baumstütze und hält den Baum in der Hand. S2 platziert sich mit dem Großfall (pinkfarbener Tampen, Bb-Seite) und dem Kopf des Großsegels in der Hand vor dem Mast.

  10. S2 führt durch vorsichtiges Dichtholen des Großfalls den Segelkopf durch den Stahlvorfädler an der Klau in die Nut der Gaffel ein.

  11. Danach wird das Vorliek des Großsegels mit dem Großfall Stück für Stück in die Gaffel eingezogen bis der Segelkopf die Umlenkrolle am achterlichen Ende der Gaffel erreicht. S2 sichert dann das Großfall in der Kammklemme an der Gaffel.

  12. Das lose Ende des Großfalls wird jetzt von S2 auf der Stb-Klampe auf dem Deck mit etwas Lose befestigt und aufgeschossen. Bitte nicht vergessen. Das Fall weht sonstwie ein langer Verklicker im Wind und kann sich beim Passieren anderer Schiffe in deren Rigg verfangen.

  13. S1 behält weiterhin den Baum in der Hand, der sonst auf das Achterdeck fallen würde.

  14. S2 legt zunächst die Buchten der Reileine, die das Großsegel am Mast führen, über den mittleren Mastbeschlag, steigt vom Vordeck in das Boot zurück, löst dann das Klaufall von der Bb-Belegklampe und setzt die Klau dicht.

  15. Erreicht die Klau den oberen Mastbeschlag, verklemmen sich die Buchten der Reileine leicht an diesem Beschlag. S1 vergewissert sich, dass die Großschot freilaufen kann, und legt den Baum vorsichtig aus der Hand. Durch das Setzen der Klau bis zum oberen Mastbeschlag kann der Baum nun nicht mehr das Achterdeck erreicht. Berührt der Baum trotzdem noch das Achterdeck, muss S2 das Piekfall mehr dichtholen.

  16. S1 geht nun nach vorne auf das Vordeck und legt die Buchten der Reileine über den oberen Mastbeschlag während S2 das Klaufall weiter langsam dichtholt.

  17. Achtung! Während dieser Arbeiten hängt das Großsegel zwar noch relativ schlaff an der Gaffel, aber ein Windstoß kann es bereits füllen. Ist jetzt die Großschot nicht klariert, besteht erhöhte Kentergefahr, da zudem beide Segler am Bug beschäftigt sind.

  18. S2 setzt das Klaufall auf einer Bb-Belegklampe dicht. Eventuell mit zwei Kopfschlägen belegen.

  19. Jetzt wird das Piekfall dichtgeholt und ebenfalls auf einer Bb-Belegklampe belegt (ggf. auch doppelt). Das nicht ganz reckfreie Piekfall muss gut durchgesetzt werden, damit das Großsegel bei Kursen hoch am Wind keine Falte bekommt (eine Falte im Großsegel sieht einfach schlecht aus).

  20. Das Vorliek des Großsegels wird durch Niederdrücken des Baums am Mastschiene leicht durchgesetzt. Ist die Klau gut durchsetzt, kann man den Baum nur etwa 1-2 Rasten in der Mastschiene herunterdrücken.

  21. Bei wenig Wind kann noch die Profiltiefe des Großsegels durch Fieren des Unterliekstreckers vergrößert werden.

  22. Baumniederholer dichtholen und mit zwei halben Schlägen an der Umlenköse zusätzlich belegen, damit sich der Niederholer während des Segelns nicht lösen kann.

Das Reffen …

Foto: Peter/HIG
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