Glückstadtregatta 2018

Der Elbklassiker feierte am 12. und 13. Mai 2018 sein 70. Jubiläum welches zusammenfällt mit dem 150-jährigen Bestehen des mitveranstaltenden Norddeutschen Regatta Vereins (NRV). Seit 1948 richten der Hamburger Segel Club (HSC) und der NRV diese Regatta, eine der ersten nach dem zweiten Weltkrieg, aus. Zunächst im jährlichen Wechsel: ein Jahr der HSC, ein Jahr der NRV, aber seit vielen Jahren nun immer gemeinsam als Glückstadt Regatta Commitee. Federführend für den HSC sind es Claus Dederke und Wolf Dieter Jahn, und für den NRV Martin Borkmann und Arne Hirsch.

Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums hatte Kommodore Gunter Persiehl zwei schöne Silberpreise „ausgegraben“ und zur Verfügung gestellt.

Einen ewigen Wanderpreis - 150 Jahre NRV Jubiläumspreis, gestiftet 2018 anlässlich des Jubiläums für die beste Kielyacht der großen Yardstick Gruppe 2, berechnet über beide Wettfahrten. Hat der Gewinner bereits einen anderen Preis der Gruppe gewonnen, geht der Preis auf die nächstplatzierte Yacht über.

Zudem gibt es einen Jubiläumspreis für die beste NRV Yacht, über beide Wettfahrten über alle Gruppen. Einmalig in diesem Jahr vergeben.

Besonders unterstützt wurden diese Veranstaltung darüber hinaus von der Holsten Brauerei, die wieder für frisch gezapftes Holsten Bier sorgte, von der Yachtwerft Glückstadt, die eine Werfthalle dekorierte und für die Band sorgte, sowie von der Pantaenius Yachtversicherungen und Robert Lindemann KG, ohne die diese Regatta nicht in diesem Rahmen hätte stattfinden können.

Den folgenden Bericht über die Regatta hat uns freundlicherweise Markus Wiebel, der mit seiner Elb-H-Jolle CHARM IV teilnahm zur Verfügung gestellt. Er gewann übrigens den NRV Jubiläumspreis für das beste NRV Boot.

Unter Dickschiffseglern gilt die Glückstadtregatta als lokales Auftakt-Rennen nach Handicap, bei dem es in Wedel ruhig losgeht und später mit der erstarkenden Tide die Crew und die Boote dann gefordert werden. Wer genau gewonnen hat erfährt man bei der Preisverleihung. Anders bei den Elb–H Jollen: Deren Felder von zehn Schiffen und mehr nutzten die beiden Rennen (Sonnabend nach Glückstadt und Sonntag zurück nach Wedel) als Leistungsschau für seglerisches Können, Revierkenntnisse und Durchhaltevermögen. Unsere GFK-Elb-H-Jolle CHARM IV von der Werft Peter Knief, welche vor dem NRV Clubhaus an der Alster ihren Liegeplatz hat, wollten wir vom Fluss an den Strom bringen, um mit den dortigen Seglern die Kräfte zu messen. Diese haben vornehmlich Holzschiffe „aus Vaters oder Mutters Hand“ und kennen die Elbe von Kindesbeinen an.

Mit Start am Samstag bei Sonnenschein vor Wedel und östlichen Winden wurde dann auch nicht lange gezögert, mit Schwert und Ruder hoch ging die Flotte vor Fährmannsand gleich direkt über die Stags, um bei Hochwasser der nachlaufenden Rest-Tide auszuweichen, für Kielboote undenkbar … Noch bei Lühesand lag das Feld von elf Schiffen kompakt wie beim Start zusammen. Alte Holzschiffe mit noch älteren Segeln und wenig „Features“ konnten dabei mit den modernen Elb-H-Jollen mit nagelneuer Garderobe Paroli bieten, alles blieb offen. Erst am nördlichen Ausgang Pagensand zeigten die vorausfahrenden Dickschiffe, dass die nördliche Außenkurve eigene Thermik aufwies und wohl auch vom Strom bevorteilt war, woraufhin die Entscheidung, dorthin zu gehen, belohnt wurde. Daniel Baum siegte knapp vor dem Rivalen Piet Hausschildt, wir wurden Dritter.

Nach Zieleinlauf sorgten das schöne Wetter und die wirklich perfekte Verköstigung von Arne Hirsch und Martin Borkmann sowie Niklas von Meyerink und Inken Brügge vor Ort für einen ausgesprochen gemütlichen und schönen Ausklang in der Halle der Yachtwerft Glückstadt.

Nachdem also der Samstag mehr ein Geschwindigkeitsrennen war, entpuppte sich der Sonntag als taktische Kreuz zurück nach Wedel: Mit schon starkem Flutstrom im Nacken ging es für wieder rund drei Stunden zurück auf die Elbe, wo jetzt Fragen wie Innenkurve oder Außenkurve, vor oder hinter Berufsschiffahrt, Lenzen oder Durchfahren, etc. auf den Booten diskutiert wurden.

Nachdem wir uns die erste Stunde nach dem Start gut im Führungstrio der lokalen Matadoren Piet Hausschild und dem amtierenden Meister Daniel Baum halten konnten, sorgte eine kleine Unachtsamkeit (etwas zu viel Außenkurze statt Innenkurve bei Pagensand – also nicht wie es wohl sein soll („bei Pagensand immer roter Tonnenstrich!") dafür, dass ein Teil der Flotte uns satt abhängen und die Führung halten konnte. Innerhalb der Spitze musste sich Daniel Baum zum Schluss bei aufbriesendem Wind gegen Piet Hausschild doch noch geschlagen geben. Piet, der zwei Drittel des Rennens hinter Daniel geblieben war, stellte damit wieder einmal unter Beweis, dass die Glückstadt Regatta Geduld und viel Erfahrung erforderlich macht und am Schluss (immer) H-300 ganz vorne landet. Die amtierende Vizemeisterin Nicola Rodenhausen unterstrich Ihre Form und belegte nach Piet den zweiten Platz.

In der Gesamtwertung über beide Tage konnten zwei GfK-Schiffe mit Holzdeck von Peter Knief sich im Feld der Vollholzschiffe am Ende gut behaupten und mit CHARM IV und HEIN MARIE die Plätzen 4 und 5 belegen, Piet gewann über alles vor Daniel.

Wir danken Claus Dederke stellvertretend für die Wettfahrtleitung und freuen uns, auch 2019 bei der nächsten Glückstadtregatta als Alstersegler wieder von der Elbe lernen zu können.

CHARM IV
Lukas Wiebel, Tilmann Reis, Markus A. Wiebel